Von Sascha Felix, Kameramann

Ist es echt schon so lange her? Mist. Ich wollte doch noch einen Beitrag schreiben über die Live Kiste an der Fête dse Vignerons. Ist egal. Jetzt mach ich es trotzdem noch.

St. Galler Kantonstag an der Fête des Vignerons. Live dabei.

Nach dem ersten Kontakt mit den Kunden von St. Gallen-Bodensee-Tourismus war klar, das Ding wird heiss. Acht Locations an einem Tag als Live Kiste mit einer Moderatorin, die Französisch spricht, Schweizerdeutsch versteht und genügend TV- und Live Erfahrung hat, um uns nach dem ersten Briefing nicht den Vogel zu zeigen.

Die Erkundungstour

Rapperswil war auf unserer Erkundungstour die erste Destination. Dort trafen wir neben dem Direktor auch Céline Hofstetter. Für Céline war es der erste Kontakt mit Bewegtbild dieser Art. Rückblickend kann man sagen, dass Céline wie ein alter Profi mit uns zusammengearbeitet hat. Schon ihre ersten Entwürfe waren der Hammer. Ihre Organisation, Weltklasse. Auf unserer weiteren Reise durch den Kanton mit dem grünen Wappen stellten wir den Blinker, als die Ausfahrt nach Bad Ragaz auf der A13 auftauchte. Dort erwartete uns Adrian Pfiffner und sein Team von Heidiland Tourismus. In lockerer Atmosphäre haben wir unseren Plan vorgestellt und waren gespannt, welche Destinationen von Adrian vorgeschlagen wurden. Von unserer Seite her war es essentiell einen bunten und repräsentativen Mix für die Fête des Vignerons zu produzieren. Wir wollten keine Dubletten und so fanden wir mit dem Heididorf und Wein aus der Herrschaft zwei super Themen. Wenn nicht hier über Wein zu berichten, wo dann? Wir mussten uns aber sputen, die nächste Destination wartete schon auf uns und wir zwängten uns wieder in unser Auto. Dies wird bei der Produktion nicht anders sein. Alles aus einem Auto, alles dabei und immer ready to shoot. Im Toggenburg angekommen, hatte man klare Pläne und gab uns Varianten zur Auswahl. Roland Lichtensteiger krackselte sogar einen Berg mit uns hoch, um verschiede Szenarien zu besprechen. Carmen Giezendanner unsere Produktionsleiterin dieses Projekts, war spätestens jetzt voll im Thema angekommen. Immerhin standen wir auf der Anhöhe gegenüber dem Säntis und schauten auf den Schafberg. Carmens Augen glänzten und das nicht ohne Grund. Sie ist durch und durch Toggenburgerin. Sie auf der Produktion dabei zu haben, das war die beste Wahl. Unser Weg brachte uns jetzt nach St. Gallen. Dort durften wir mit unserem Projektleiter Moritz Nägeli, der uns schon den ganzen Tag begleitete, sein Team kennenlernen. Die Sitzung war äusserst speditiv und mit den beiden Vertreterinnen vom Stiftsbezirk (Mandana Roozpeikar) und vom Textilmuseum (Silvia Gross) hatten wir super kompetente Gesprächspartnerinnen. Schnell wurden wir uns einig. Es war klar, dass wir im Anschluss nur noch Details besprechen mussten. Geschafft, eine erste Tour de Saint-Gall war absolviert. Wir spürten unsere Knochen, denn es war ein intensiver und anstrengender Tag. Das sollte aber nur ein kleiner Vorgeschmack sein auf das, was uns am Produktionstag erwarten würde. Darüber waren wir uns von Anfang an bewusst.

Produktion

Sonntag, 21. Juli. Der Produktionstag.

Aber halt, da war noch was. Genau. Jemand musste an der Fête des Vignerons unser Signal empfangen und die Schaltungen gleichzeitig auf die verschiedenen Social Media Kanäle der Destinationen schalten. Unsere Technik vor Ort, LiveU. Unser Mann, Peter Kadar. Peter reiste bereits einen Tag vor der Produktion nach Vevey und fand unseren Produktionsort als grüne Wiese vor. Da war nix. Also wurde das Testen schwierig. Mit Händen und Füssen, Englisch und gutem Willen hatte er trotzdem mal Strom gekriegt und der kleinen Handbewegung nach wusste er auch in etwa, wo wir morgen unsere Live Schaltung präsentieren durften. Anfangs hatten wir uns sehr auf das Thema Live Screen am Fête des Vignerons konzentriert, bald aber ist uns bewusste geworden, dass (obwohl es nicht im Briefing gefordert war) die Live Berichterstattung auf den Sozialen Medien unbedingt stattfinden sollte. Diese Baustelle war mal gelöst. Und wie sah es eigentlich mit der Suche für den Moderationsjob aus?

Nun, nach einigen Sitzungen, Mails und einer zackigen Verhandlung nach eben dieser Moderatorin (die alles können muss) und die sogar noch Zeit für unser Projekt während den Sommerferien hätte, diese Live Kiste zu rocken. Ja eben die, die haben wir gefunden. Ein Doppelkrönchen mit Schleife für alle, die mitgeholfen haben sie zu finden. Die Rede ist von Madame Mireille Jaton. Wir trafen die Wahlzürcherin mit welschen Wurzeln in aller Hergottsfrüh in Rapperswil zum Start der Sendung. Ah pardon, nous l’avons rencontrée très tôt le matin.

Rapperswil, jetzt geht es los!

Jetzt aber zurück zur Produktion. Oh, Nein. Es regnete. Das darf doch nicht wahr sein. Aber Mireille, bekannt als absolute Frohnatur, störte sich kaum darüber. Wir repetierten nochmals den Ablauf, trafen die Protagonisten, sprachen die Texte in Französisch durch und machten uns bereit fürs erste Live. Peter meldete sich aus Vevey und berichtete, dass es also schon Frühschoppen gäbe im Welschland. Die Rapperswiler hatten genau das ebenfalls im Hinterkopf und überraschten Mireille bei der Schlussmoderation mit einem Glas Weisswein aus Rapperswil. Kurz genippt ging es zum Knie’s Kinderzoo, wo wir die zweite Schaltung produzierten. In charmanter und mit bester Laune dirigierte Mireille ihr Gespräch mit Franco Knie und liess sich über Elefanten, Giraffen, General Guisan und viele andere Dinge des Zoos aus erster Hand informieren. Was man wissen muss, wir hatten keine Probe, es gab kein genaues Briefing, vieles entstand nach einem groben Leitfaden. Nur mit der langjährigen Erfahrung aller Beteiligten war ein solcher Effort Überhaut möglich. Immerhin sprechen wir von Live Schaltungen die etwa zehn Minuten lang waren. Die erste Destination war geschafft, Rapperswil adieu.

Heidiland

Immer noch begleiteten uns Regenwolken und wir hatten Angst vor dem ganz grossen Regen. Mireille musste auf einem E-Bike mit ihrem ersten Gesprächsgast um die Ecke fahren und das Liveprogramm starten. Gian-Carlo Casparis lenkte Mireille geschickt von der Strasse in den Stall 247, ein umgebauten Kuhstall, wo heute ein lässiges Lokal zum Schlemmen einlädt. Bei dieser Live Schaltung hatten wir ein Hoppala. Bei der Kommunikation zwischen Vevey und unserem Standort hatte sich ein Missverständnis ergeben und wir starteten die Show zwei Mal. Doof, aber eben live. Kann passieren, abhacken, denn es sollte uns zusätzlichen Schub geben auch bei der nächsten Schaltung voll konzentriert ans Werk zu gehen. Es sollte der einzige vermeidbare Schnitzer an diesem Tag gewesen sein. Nachdem wir im Heididorf bei bester Laune und Sonnenschein unsere vierte Schaltung absolviert haben, fuhren wir ins Toggenburg.

Toggenburg

Mit der Kamera konnten wir in der Klangschmiede in Alt St. Johann live zusehen wie heisses Eisen geschmiedet wurde und lernten bei einem Exkurs vieles über die verschiedenen Schellen aus dem „Toggi“. Ein kurzer Transfer und schon sassen wir auf der Sesselbahn zur Klangwelt Selamatt. Dort oben, mit Blick auf die wunderbare Bergwelt und deren Gipfel sang uns der Jodelclub Säntisgruess zwei Lieder. Roland Lichtensteiger gab in seinem besten Französisch Auskunft über die Ferienregion und hatte uns mit seiner Organisation ein weiteres Highlight für „Live dabei“ beschert. Mit Gänsehaut und voller Emotionen verliessen wir diesen wunderbaren Ort um in die Hauptstadt zu fahren. Auf dem Weg durchs Rheintal haben wir uns verpflegt, Zwischenbilanz gezogen und uns gegenseitig angeheizt um die nächsten beiden Live Schaltungen mit der gleichen Intensität abzuhalten wie bei den letzten Reportagen. Erstaunlicherweise hat der Zeitplan bis zu diesem Zeitpunkt bestens funktioniert. Carmen hatte alles fest im Griff. Zusammen mit Moritz öffnete sie im richtigen Moment eine Tür, sprach sich mit den nächsten Protagonisten ab, schaute dass ich nicht „stürchelte“ beim Retourlaufen und hatte immer ein Auge auf unsere sagenhafte Moderatorin Mireille.

St. Gallen

Da ist der Sitz unseres Hauptauftraggebers St. Gallen-Bodenseetourismus.

Wir durften das Auto ganz nah beim Textilmuseum parkieren und betraten voller Enthusiasmus das ehrwürdige Gebäude. Während ich im Entrée mit Peter Kadar in Vevey meinen üblichen Verbindungscheck für Bild und Ton machte, waren Carmen und Moritz bereits mit der ganzen Entourage schon unterwegs und klopften die Locations auf den drei Stockwerken ab. Wenige Minuten später waren wir wieder live. Obwohl wir einen Verbindungstest gemacht haben, waren wir ganz schön nervös, ob die Leitung halten würde. Geschafft. Bei unserer letzten Destination im Stift hatten wir dann leider kleine Abrisse. Die Mauern schützen früher vor Kälte und Wärme, heute vor Strahlung. Aber eben, that’s live. Bevor wir aber die unfassbar schöne Bibliothek betreten konnten, produzierten wir den letzten Take im Textilmuseum. Danke, es war toll bei Euch! Die ganze Crew war sehr herzlich und machte unseren Aufenthalt sehr angenehm.

Da der Stift und die Bibliothek so gross sind, mussten wir unsere letzte Schaltung unterbrechen und fanden uns für den letzten Teil am Brunnen vor dem Kloster. Dort wurde unser architektonisches Wissen, natürlich auf französisch, aufgebessert und Mireille kürte ihren Tag mit einem Biss in eine Olma Bratwurst und einem Schluck kühlem Bier aus einer St. Galler Brauerei. Mir bleibt als Erzähler nur der Dank an alle Beteiligten. Ein erfolgreicher Tag mit vielen Emotionen ging zu Ende und wird mir noch lange Zeit in Erinnerung bleiben. Ja, wahrscheinlich werde ich nie mehr an den Orten vorbeigehen können, ohne an diesen speziellen Tag zurückzudenken.